Pflanzen überwintern

Pflanzen überwintern im Folienzelt

ein Erfahrungsbericht von David Georgi

Frühjahr 2013 – Wir haben eine ganze Sammlung mediterraner Pflanzen: Eukalyptus, Lavendel, Rosmarin, Kumquat, rote Limette, Calamondin und einen großen Zitronenbaum. Daneben wohnen noch 3 selbstgezogene Zitruspflanzen bei uns. Bis vor einem Jahr hatten wir die Pflanzen im Sommer auf dem Balkon, wo sie sich wohl fühlten, doch im Spätherbst mussten alle ins Wohnzimmer bzw. die Küche umziehen. Wir wohnten in einer 60er-Jahre-Wohnung, mit zugigen Holzfenstern und Heizung unter dem Fensterbrett. Also war es für die Pflanzen unten warm und oben eher frisch. Wir hatten regelmäßig mit Blattabfall, Schädlingen und überhaupt mit Platzproblemen zu kämpfen. Im Folgejahr erholten sich die Pflanzen, wurden aber immer in ihrem Wachstum und der Fruchtausbildung benachteiligt.

Bluete Zitrone 3 Pflanzen überwintern

Mit der richtigen Überwinterung beginnt die Zitronenblüte schon im April

Im letzten Jahr sind wir in unser Häuschen eingezogen, zum Glück im Frühjahr. Doch neue, gedämmte Häuser sind zwar behaglich, aber mit Kamin im Wohnzimmer dann eindeutig zu warm für die Überwinterung der Zitruspflanzen.

Jetzt hatten wir unsere Bäume schon so weit gebracht, sie sollten es endlich besser haben, also grübelten darüber nach, wie wir die Pflanzen überwintern. Die Garage kam nicht in Frage, nicht frostfrei und wenig Licht, außerdem mit Gartenmöbeln gefüllt. Ein richtiges Gewächshaus inkl. Fundament wollten wir nicht haben, da wir im Sommer den Platz anderweitig nutzen wollten und kein Gemüse ziehen.

So kamen wir schnell auf die Foliengewächshäuser. Eines Namens “Florino”, doppelt isoliert, fiel uns zunächst auf, hatte aber mit rund sieben bis achthundert Euro auch seinen stolzen Preis, beinahe wie ein festes Gewächshaus. Schließlich fanden wir das “Tropical Island” von Bio Green TI. Weder zum Florino, noch zum Tropical Island fanden sich Erfahrungsberichte im Netz. Wir entschieden uns letzteres zu testen. Variante XL (1,8 x 3,40 m), da für unsere Zwecke “L” (2,40 x 2,00 m) zu klein war. Ich wollte zum Gießen und Begutachten der Pflanzen Platz haben und darin stehen können. Rund 400 Euro inkl. Frostwächter (Heizlüfter und Thermostat) kostete das Experiment.

Pflanzen im Gewächshaus Pflanzen überwintern

Das Folienzelt “Tropical Islands” von innen (Foto: David Georgi)

Aufbau und Materialverarbeitung:

Das “Tropical Island” wird in einer Tasche geliefert; mit einem Zelt vergleichbar: bestehend aus dem Zelt aus Folie, Stangen mit Styroporisolierung, Füßchen und Heringen, die in den Boden gepiekst werden können. Die Aufbauanleitung ist dabei nicht gerade hilfreich, aber vieles erklärt sich von selbst. Am Besten baut man das “Ufo”, wie es unsere Nachbarn nennen, zu Zweit auf. Die Stangen, die man ineinander stecken muss, werden schnell hoch. Daher sollte man die Folie schon drüber ziehen, wenn man erst zwei der drei Stangenteile ineinander gesteckt hat. Steht das Gerippe mit dem Folienzelt darüber, zieht man alles möglichst gerade und steckt die Füßchen durch die Löcher am Boden. Das Zelt kommt als Ganzes und der Boden (die dünnste Folie) ist nicht abnehmbar. Das Ganze steht beim Aufbau ziemlich unter Spannung, so dass man das Zelt hier und da zurecht ziehen muss. Bei unserer ersten Lieferung hatten wir mit erheblichen Materialmängeln zu kämpfen. Es gibt auf der Vorder- und Rückseite 3 Reißverschlüsse, die man als Eingang nutzen kann. Bei uns war auf der einen Seite der Reißverschluss eingerissen. Unser Händler hatte noch ein Zweites und hat dieses bei sich vorab aufgebaut, um das Material zu testen. Wir waren skeptisch nochmal einen Versuch zu wagen, es war aber schon Ende Oktober und wir hatten noch keine andere Lösung gefunden.

Der zweite Aufbau ging nun schneller, ca. eine halbe Stunde und die Materialverarbeitung war besser. Die Wände sind ähnlich dick wie eine Gefriereinkaufstüte, der Boden glatt und dünn. Es gibt 2 Türen und ein Fenster zur Belüftung (ähnlich einem Fliegengitter). Dieses ist mit einem Klettverschluss verschließbar. Wir haben unseren Gartentisch und einige Holzhocker ins Gewächshaus geräumt und dort die Pflanzen aufgestellt. Zusätzlich hatten diese eine Kokosmatte um ihren Topf. Innen haben wir in die Ecken kleine Pflastersteine gelegt, gleiches außen an einer Seite (da das Gewächshaus auf unserer Terrasse steht) und die andere Außenseite mit den Heringen im Rasen fixiert.

Fazit:

Wir haben und hatten ja diesen Winter genügend Wind und Kälte. Das “Tropical Island” ist sicherlich nicht die stromsparenste Variante und ich weiß auch nicht, ob es viele Jahre halten wird. Aber es hat das geschafft, was wir uns gewünscht haben. Durchschnittstemperatur 7 Grad, bei -14,9, kam es noch auf 4,9 Grad. Unsere Pflanzen sehen viel besser aus, als in vergangenen Wintern und wollen jetzt bald nach draußen. Wenn die Frühjahrssonne scheint, wird es sehr schnell, sehr warm im “Tropical Island”, wir müssen jetzt vermehrt gießen.

Inzwischen gibt es zusätzliche Isolierfolien für das Gewächshaus zu kaufen, darüber können wir noch nichts schreiben. Der Wind hat den Boden, an den Stellen, an denen die Pflastersteine zur Beschwerung lagen, aufgeraut. Hier sollten wir uns im nächsten Herbst einen weiteren Isolierboden basteln, aber die Pflanzen stehen ja eh weiter oben.

3 Antworten auf Pflanzen überwintern

  • auch wir haben das Zelt (2,40×2,00) auf unserer Holzterrasse stehen. Zusätzlich mit 2 cm Styroporplatten isoliert, allerdings noch kein Heizlüfter. Gestern waren es -6 Grad, im Zelt immerhin noch -5. Hoffentlich überleben es unsere Akapanthus. Frage: ist doch auch ein Kostenfaktor der Stromverbrauch??

    Über einen Erfahrungsaustausch würden wir uns freuen.

    R. + S. Hauer

  • Hallo,
    der Heizlüfter gehört im Zelt unbedingt dazu, -5°C ist für den Agapanthus schon nicht so einfach.
    Die Kosten für den Strom hängen natürlich von den Außentemperaturen ab, es macht einen Unterschied, ob Sie das Zelt im Bayerischen Wald oder am milden Niederrhein einsetzen.
    Vielleicht findet sich noch jemand, der etwas zu den Stromkosten sagen kann.
    Viele Grüße
    D. Große Holtforth

  • Hallo,ich habe den Bericht ja im letzten Jahr geschrieben. Mit einem neugeborenen Kind und viel zu Hause hatten wir bestimmt einen höheren Verbrauch, aber die letzte Stromabrechnung war wirklich deutlich höher. Wir hatten die Heitzung auf ca. 8 Grad gestellt, bei -15 Grad noch ca. 4 Grad. Derzeit hatten wir wöchentlich den Zähler überprüft und nach aktuellem Stand – und etwas Hochrechnerei könnten es ca. 60 KW pro Woche, rund 1000 KW über den Winter sein, also ganz schön viel. Evtl. bringt da das Florino mehr, das ist besser isoliert, aber auch 3X teurer als das Tropical Island

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