Richtig überwintern

Richtig überwintern

Überwintern von Pflanzen ist garnicht schwer. Ziel jeder Überwinterung ist die Schaffung einer artgerechten klimatischen Situation und Beleuchtung, die für die Pflanze einen optimalen Lebensraum im Winter darstellen.

überwintern

Die Orangerie des Schlosses Augustusburg in Brühl

Optimal ist dieser Raum dann, wenn er die gleichen oder annähernd gleichen Bedingungen bietet, wie sie im Herkunftsgebiet der Pflanzen gegeben sind. Die gute Nachricht bei der Schaffung optimaler Überwinterungsbedingungen ist: jede Pflanzenart hat eine Bandbreite vonToleranz, innerhalb derer die Überwinterung erfolgen kann. Sicher gibt es eine Mindestbedingung, die in der Regel die Frostfreiheit ist. Aber auch in der Natur unterliegt die Pflanze klimatischen Schwankungen, die sie gut verträgt.

Um also eine an die natürlichen Bedingungen angelehnte Situation zu schaffen, sind folgende Faktoren entscheidend.

Zeitraum
Temperatur und Beleuchtung
Wasser- und Nährstoffbedarf
Winterquartiere: Orangerie, Garage, Keller & Co.

Überwintern – Zeitraum

Die Überwinterung sollte in der Periode stattfinden, in der Frost die Pflanzen bedroht. Die jahreszeitliche Lage dieser Periode ist regional unterschiedlich. Während im durch die Nähe zu den Küsten begünstigten und milden Nordwesten Deutschlands eine kürzere Überwinterungsperiode besteht, ist der Südosten Deutschlands von kälteren und auch längeren Frostperioden geprägt. Insgesamt führt der Klimawandel dazu, dass sich die Frostperioden verkürzen, aber auch verschieben können.

Viele Pflanzen, darunter die meisten Zitruspflanzen, können kurze, nicht zu kalte Bodenfröste knapp unter dem Gefrierpunkt gut überstehen, wenn sie gut geschützt, z.B. an der Hauswand stehen. Ein Vorteil solcher Situationen ist die Erhöhung der Resistenz der Pflanzen und zugleich die Bekämpfung von Schädlingen, denen der Frost zusetzt.

Neben Frost sollten aber auch nicht die Witterungsbedingungen im Herbst und Spätherbst unberücksichtigt bleiben. Herbststürme können Kübelpflanzen, vor allem die jüngeren, die noch keinen großen, schweren Wurzelballen haben, umwerfen und Topf und Pflanze beschädigen. Ein weiteres Problem kann zu viel Feuchtigkeit durch Regenwasser sein. Mediterrane Pflanzen benötigen wenig Wasser und ein Überangebot kann die Wurzeln schwer schädigen. In dem Fall färben sich die Blätter chlorotisch gelb.

Für die Wahl des Überwinterungsbeginn kann also folgendes gesagt werden. Beginnen Sie nicht zu früh mit der Überwinterung, fordern Sie die Pflanzen heraus, seien Sie aber dabei nicht leichtsinnig. Unter www.wetter.info oder anderen Wetterdiensten gibt es eine mehrtägige Wetterprognose, nach der Sie den Beginn der Überwinterung entspannt bestimmen können. Zur Orientierung können Sie eine durschnittliche Überwinterungszeit von Ende November bis Ende März annehmen.

Wenn Sie die Überwinterung bei einem Dienstleister wie „Meine Orangerie“ -Hinweise dazu gibt es im Shop- beauftragen möchten, melden Sie sich rechtzeitig, damit Sie in der Tourenplanung berücksichtigt werden können. Sonst können Sie bei einer sehr kurzfristigen Abholung und Einräumung der Pflanzen nicht berücksichtigt werden. Sollten Sie allerdings ein ungeeignetes Winterquartier haben, sollten Sie vor allem darauf achten, dass der Übergang für die Pflanze nicht zu abrupt ist. Vergessen Sie nie: Pflanzen sind immobil! Das heißt, dass sie nicht dafür angepasst sind, dass sich die klimatischen Bedingungen und sonstige Standortfaktoren abrupt ändern. Sollten Sie den Übergang zu abrupt gestalten, müssen Sie damit rechnen, dass die Pflanze beim Überwintern massiv Blätter abwirft.

Genau so wie der Beginn der Überwinterung muss das Ende der Überwinterung behutsam festgelegt werden. Diese Entscheidung ist etwas schwieriger zu treffen, da nach einem erstmaligen Ausräumen der Pflanzen ein wiederholtes Einräumen aufgrund einer späten Frostperiode recht ungünstig ist, sowohl für die Pflanzen als auch für Sie. Jeder Standortwechsel, selbst das Drehen der Kübel bedeutet Stress für die Pflanze, nachdem sie zunächst geschwächt ist.

Für die Beendigung der Überwinterung gilt also: beenden Sie die Überwinterung nicht zu früh. Sicher müssen Sie nicht bis zu den Eisheiligen warten. Aber bis März/April im Nordwesten und bis Mai im Süden und Südosten Deutschlands sollte schon gewartet werden.

Auch beim Ausräumen nach dem Überwintern müssen Sie den Schutz der Pflanzen im Augen behalten. Hier sind weniger Stürme und Winde problematisch als vielmehr das Sonnenlicht. Wählen Sie eine bedeckte Witterung für das Ausräumen der Pflanzen oder schützen Sie Ihre Pflanzen zunächst, den ansonsten kann die Pflanze einen Sonnenbrand bekommen.

Überwintern – Temperatur und Beleuchtung

Die Wahl der Überwinterungstemperatur und der Beleuchtung hängen unmittelbar miteinander zusammen. Es gilt die Faustregel: je heller, desto wärmer. Es sind also sehr helle und kalte und dunkle, aber warme Überwinterungsräume zu vermeiden.

Während sich die Temperatur recht einfach messen lässt, ist die Bestimmung der Helligkeit nicht ganz einfach. Da die Pflanzen auf das direkte Sonnenlicht angewiesen sind, bedeuten zunächst alle Beeinträchtigungen des Sonnenlichts eine Einschränkung der Beleuchtung der Pflanzen. Einfach-, Isolier- oder Sonnenschutzglas oder auch Vorhänge reduzieren Sie das verwertbare Licht, das Einfachglas am wenigsten, das Sonnenschutzglas am meisten. Auch die Lage eines Fensters ist im Winter sehr wesentlich. Ein Nordfenster ist wenig geeignet, die Pflanze mit ausreichendem Licht zu versorgen, wenn das Überwinterungsquartier warm ist. Ist es hingegen kühl, könnte die nördliche Position genau richtig sein.

Warme Überwinterung

Ein Hauptproblem der Überwinterung ist, dass viele Wohnungen und Häuser keine kühlen Räume haben. Die Gebäude sind richtiger Weise immer besser isoliert, so dass die Pflanzen warm stehen, aber häufig zu wenig Licht erhalten. Blattabwurf ist die Folge, da die Pflanzen bei dieser Konstellation mehr CO2 bei ihrer Atmung abgeben als Sie durch Photosynthese aufnehmen können. Im Ergebnis wird die Blattoberfläche reduziert, damit der CO2 Abbau gestoppt wird. Gegen den Blattverlust bei zu warmer Überwinterung helfen Pflanzenleuchten. Je Quadratmeter Kronendurchmesser reichen Leuchtstoffröhren mit ca. 100 Watt aus. Beachten Sie allerdings, dass bei größeren Pflanzen die gesamte Krone beleuchtet werden muss.

Kalte Überwinterung

Auch bei der umgekehrten Konstellation -zu geringe Temperaturen bei zuviel Licht, ist die Reaktion der Pflanze der Abwurf der Blätter. Das Licht erhöht die Temperatur an der Blattoberfläche und fördert die Photosynthese. Da aber aufgrund der geringen Temperaturen aus dem Boden bzw. Wurzelballen zu wenig Saft transportiert wird, reduziert die Pflanze das Laub. So wird auch die Verdunstung und die Photosynthese reduziert. Eine Problemlösung könnte eine Erhöhung der Temperatur im Wurzelbereich sein, z.B. durch eine dämmende oder eine beheizte Matte.

Der Blattabwurf muss in geringerem Umfang nicht problematisch sein, da die Pflanze bei Verbesserung der Bedingungen wieder neue Blätter bildet. Wenn es aber zu einem Totalverlust der Blätter kommt, ist der Schaden natürlich groß   und unter Umständen irreversibel.

Bei der Festlegung der Überwinterungstemperatur sollte man also auch Lichtschwankungen berücksichtigen. Wenn aufgrund der jahreszeitlichen Veränderung das von außen einfallende Sonnenlicht wieder zunimmt, sollte auch die Temperatur im Winterquartier erhöht werden. Bei der Aufstellung der Pflanzen ist weiter wichtig, dass vor allem der Wurzelballen geschützt wird. Die Wurzeln sind am weitesten von ihren natürlichen Bedingungen entfernt. Ein Bratenthermometer kann genutzt werden, um die Temperatur im Kübel zu bestimmen. Sollte der Boden besonders kalt sein, hilft eine Bodenheizung in Form einer Heizmatte.

Überwintern – Wasser- und Nährstoffbedarf

Die Überwinterung ist für die meisten Pflanzen, die bei einer Temperatur zwischen 5°C und 15°C überwintern eine vegetative Ruhephase mit deutlich vermindertem Bedarf an Wasser und Nährstoffen. Auch im Winterquartier gilt gerade bei Zitruspflanzen: Weniger ist Mehr. Machen Sie bei der Wässerung den Trockentest: Erst wenn die Erde durchgreifend getrocknet ist, sollte Wasser zugeführt werden. Somit sollten die meisten Pflanzen einige Wochen, im Schnitt bis zu vier, ohne Wässerung auskommen.

Auch die Verabreichung von Dünger -wir empfehlen Planta’s Zitruszauber, den Sie im Shop bestellen können- sollte im Winterquartier individuell erfolgen. Erfolgt die Überwinterung hell und warm, ist eine moderate Düngung einmal im Monat sinnvoll. Beim klassischen Kalthaus, also Temperaturen zwischen 5°C und 10°C, ist eine Düngung nicht sinnvoll. Beginnen Sie mit dem Düngen erst wieder im Frühjahr, wenn die Pflanzen ausgeräumt werden.

Überwintern – Winterquartiere:

Orangerie, Garage, Keller & Co.

Orangerie, Gewächshaus und Wintergarten

Ideale Bedingungen finden Zitruspflanzen und die meisten anderen mediterranen Pflanzen beim Überwintern in einem beheizten Gewächshaus oder einer Orangerie. Da vielen Pflanzenbesitzern ein solches Überwinterungsquartier aber nicht zur Verfügung steht, bieten viele Dienstleister -so auch “Meine Orangerie”– einen Überwinterungsservice an. Dieser umfasst regelmäßig den Hin- und Rücktransport der Pflanzen sowie die erforderliche Pflege. Gleichzeitig kann die gärtnerische Betreuung den Befall der Pflanzen mit Schädlingen überwachen und Gegenmaßnahmen ergreifen.

Der Aufwand für diese Dienstleistung ist eher hoch, dennoch bemühen wir uns, Ihnen ein günstiges Angebot zu machen. Der Überwinterungspreis richtet sich nach der Fläche, die die Pflanze im Gewächshaus beansprucht. Die fachgerechte Überwinterung ist ein entscheidender Beitrag zur Wertsteigerung Ihrer Pflanzen.

Eine Alternative zum Überwintern in einer Gärtnerei ist natürlich die Anschaffung oder der Bau eines kleinen, oder großen Gewächshauses oder einer echten Orangerie. Voraussetzung dafür sind ausreichend Platz im Garten oder auf der Terrasse und ein entsprechender Geldbeutel.

Einen Sonderfall bilden Wintergärten. Häufig werden diese als Verlängerung des Wohnraums geplant und beheizt. Ganz abgesehen vom Problem der Energieverschwendung und von raumklimatischen Problemen, die man sich bei einer solchen Lösung einhandelt, sind geheizte Wintergärten häufig zu warm und die Raumluft für die Pflanzen zu trocken. Besser ist also ein separates Gewächshaus mit einem Frostwächter.

Verschiedentlich werden für das Überwintern auch aufblasbare Container angeboten, in denen die Pflanzen überwintert werden können. Allerdings sind diese in der Größe doch eher eingeschränkt, so dass bei größeren, vor allem höheren Pflanzen schnell eine Grenze erreicht wird. Vor allem aber ist entscheidend, ob die Kunsstofffolie, aus der die Container gemacht sind, ausreichend Licht durchlassen. So muss eine regelmäßige Reinigung der Container eingeplant werden, damit der Lichteinfall gewährleistet bleibt.

Überwinterung im Keller

Für viele Terrassen- oder Balkonbesitzer ist die Überwinterung im Keller die einzige Möglichkeit, ohne zusätzliche Kosten zu überwintern. Häufig ist der Keller aber auch der schlechteste Platz. Wenn Sie im Keller überwintern, müssen Sie ganz besonders auf die Licht-Temperatur-Relation achten. Ein dunkler Keller muss auch kühl sein. Ein warmer Keller hell. Gerade in gut isolierten Gebäuden liegt die Kellertemperatur auch häufig über 15°C. Wenn in einem warmen Keller Pflanzen überwintern sollen, kommt man an einer Pflanzenleuchte nicht vorbei.

Als Pflanzenleuchten ungeeignet sind normale Glühbirnen oder Halogenlampen. Geeignet sind Leuchtstoffröhren, Energiesparlampen oder Metallhalogendampflampen. Für eine Zitruspflanze mit einem Kronen-Durchmesser von 100 cm werden vom Fachhandel Neonröhren mit einer Leistung von ca. 100 Watt empfohlen.

Auto oder Agapanthus: Überwintern in der Garage?

Wie viele Kellerräume sind auch Garagen dunkle Räume. Im Gegensatz zu den Kellern sind sie aber häufig zu kalt und nicht zu warm. Wer besitzt schon eine Garage mit Heizung? Um also die frostfreie und ausreichend helle Überwinterung sicher zu stellen, muss neben einer Pflanzenleuchte auch ein Frostwächter und eine Elektroheizung angeschafft werden. Sicher ist es sehr hilfreich, auch für die Stromrechnung, die Garage zusätzlich zu isolieren.

Ein großes Problem dürfte für jede Überwinterung in der Garage die sonstige Nutzung sein. Ein jedes Mal, wenn Tür oder Tor geöffnet werden, strömt kalte Luft in die Garage, die die Pflanzen belastet. Robuste Pflanzen wie Feige, Granatapfel oder Hanfpalme halten eine solche Situation ganz gut aus, generell können Pflanzen, die im Ruhestand sind, auch ohne Licht überwintern. Das gilt natürlich nicht für Zitruspflanzen.

Geeigneter als eine Garage ist sicher ein Gartenhaus, das häufig auch über Fenster verfügt. Aber auch hier muss ausreichender Frostschutz und Beleuchtung gewährleistet sein.

Überwinterung in der Wohnung oder im Haus

Eigentlich eine naheliegende Überlegung: Im Haus ist es warm, in der Wohnung ist es hell, warum nicht die geliebten Pflanzen mit “unter die warme Decke” nehmen?

Warm und hell sind relativ: Leider sind übliche Wohnraumtemperaturen zwischen 18°C und 22°C zu warm für viele Kübelpflanzen. Es sind ja Kübelpflanzen, keine Zimmerpflanzen! Ein weiteres Problem beim Überwintern in Wohnräumen ist die Lufttrockenheit, die in normal beheizten Räumen regelmäßig auch für Menschen ein Problem ist. Schließlich ist das Lichtangebot in Wohnräumen regelmäßig unzureichend. Mehrfach verglaste Fenster, Gardinen und eine lichtarme Lage machen Wohnräume regelmäßig zu einer nicht geeigneten Überwinterungsmöglichkeit.

Eine Alternative, Pflanzen zu im Haus zu überwintern, bieten Treppenhäuser oder Flure. Hier ist neben der Frage der Temperatur und des Lichts sicherzustellen, dass nicht Zugluft den Pflanzen zusetzt. In Mehrfamilienhäusern sollte die Sicherheit der Pflanzen vor mutwilliger oder fahrlässiger Zerstörung gewährleistet sein.

Literatur:

Maria Sansoni: Kübelpflanzen: Das Handbuch der schönsten Arten für Balkon, Terrasse und Wintergarten, München 2009

Hans-Peter Maier: Zitruspflanzen – Schritt für Schritt zum eigenen Zitrusparadies, München 2006

Friedrich Strauß/Tanja Ratsch/Dorothée Wächter: Balkon und Terrassenträume. Gestaltungsideen für alle Jahreszeiten, Balkon- und Kübelpflanzen im Porträt.

Autor: Dr. Dominik Große Holtforth

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