Winterhärte

Winterhärte – so „cool“ sind Ihre Pflanzen

Für viele mediterrane Pflanzen lautet die entscheidende Frage, ob sie „winterhart“ sind. Aber wie ist „winterhart“ tatsächlich genau definiert? Dazu gibt es im Internet eine Vielzahl von Informationen, die dieser Frage auf den Leib rücken.

Garten der Orangerie im Schlosspark Versailles

Garten der Orangerie im Schlosspark Versailles

Winterhärte – die Geografie entscheidet

Zunächst bedeutet die Eigenschaft „winterhart“ bei einer Pflanze, dass sie ohne Schutz ausgepflanzt werden kann und in einer Region den Winter überlebt, da sie gegen die Belastung durch Frost in dieser Region resistent ist. Das heisst aber auch, dass die Eigenschaft „winterhart“ nur im Zusammenhang mit der Region bestimmt werden kann, in der die Pflanze ausgepflanzt werden soll. So ist „Winterhärte“ im Rheinland leichter zu erreichen als in Bayern.

Aber nicht nur die geografische Region ist ausschlaggebend, sondern auch die konkreten Bedingungen des jeweiligen Standorts. Die wichtigsten sind Wind, Sonnenscheindauer- und intensität, Niederschläge, Tiefsttemperatur und Länge der Frostperiode. Aber auch die Beschaffenheit des Bodens, das Maß und der Rhythmus der Düngung be- oder entlasten die Pflanze bei ihrem Ringen um Winterhärte.

Bevor man also eine winterharte Pflanze erwirbt, muss man sich darüber im Klaren sein, ob die Winterhärte für die eigene Region ausreichend ist und ob der individuelle Standort geeignet ist.  Auskunft darüber, wie kalt eine Region im Durchschnitt werden kann, geben die Winterhärtezonen, die nach einem Standard des US-Departments for Agriculture (USDA) bestimmt werden. Eine Karte, die diese Zonen zeigt, ist im Internet z.B. bei www.garten-pur.de zu finden. Deutlich wird dabei, dass der Nordwesten Deutschlands mildere Wintertemperaturen aufweist, während der Südosten im Schnitt kältere Winter hat. Ursächlich dafür ist natürlich die Küstennähe, da die Meere wie eine „Warmwasserheizung“ wirken. Die mitteleuropäische Klimakarte erschließt sich interessanter Weise auch an den Standorten der Orangerien: Es gibt sie in Nordfrankreich und Deutschland, aber in Südfrankreich, in weiten Teilen Italiens und Spanien nicht.

Winterhärte – auf die Pflanze kommt es an

Wenn Sie also im Internet eine „winterharte Pflanze“ bestellen ist immer die Auskunft wichtig, ob die Winterhärte auch für Ihre Region besteht oder bis zu welcher Temperatur die Winterhärte reicht.Dann ist ein weiterer wichtiger Aspekt, dass die Teile der Pflanze unterschiedlich winterhart sind. Die Teile der Pflanze, die der kalten Luft ausgesetzt sind, ist frostresistenter als die Wurzeln, die im Herkunftsland in der nicht gefrorenen Erde geschützt sind. Insofern ist die Temperatur des Wurzelballens das Maß der Dinge, wenn es um die frostsichere Überwinterung und allgemein einen guten Zustand der Pflanze geht.

Interessant in der Zukunft wird sein, ob bei allen Problemen des Klimawandels auch eine Verschiebung der Winterhärtezonen erfolgt, so dass das Spektrum an Pflanzen, dass in Deutschland ausgepflanzt werden kann, größer wird. Da es aber durch den Klimawandel auch zu einem Aussterben von Pflanzen kommen wird, ist die Bilanz dieser Verschiebung und ihrer Auswirkung auf die Flora in Deutschland noch offen.

Autor: Dr. Dominik Große Holtforth